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 Reinigung der Leitung mittels Luft-Wasser-Gemisch


 Aggregat zur Luftzufuhr


 Pipeinspector


 Überwachung der Reinigung    
 
Optische Inspektion einer Druckleitung in Ittendorf

Die Stadt Markdorf betreibt im Teilort Ittendorf ein Abwasserpumpwerk welches den Drosselablauf des Regenüberlaufbeckens über eine 2300 Meter lange Druckleitung zum Freispiegelkanalnetz im benachbarten Bermatingen / Ahausen fördert.

Die Druckleitung wurde mit Asbestzement-Rohren (AZ) verlegt und weist insgesamt 5 Düker auf. Beim größten Fließgewässer, welches von der Leitung gequert wird, handelt es sich um die Seefelder Ach.

Da es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu Beschädigungen der eingesetzten Molche kam und kurz vor dem Zielschacht in Ahausen schon eine Aufgrabung zur Reparatur erforderlich war hat der Auftraggeber entschieden die Druckleitung optisch zu inspizieren und diesem Zuge sowohl eine Lageortung als auch eine Leckageortung durchzuführen.

Da eine konventionelle Kameratechnik nur mit erheblichem Aufwand einsetzbar gewesen wäre, infolge der Dücker und teilweise extremen Lageabweichungen auch nur eine fragmentarische Inspektion und Ortung sowie keine Leckortung geliefert hätte wurde nach einer alternativen Technik gesucht und bei der Firma MTA in St. Pölten, Österreich gefunden.

Die eingesetzte Technik wurde durch die ausführende Firma MTA selbst entwickelt. In Deutschland ist das System derzeit noch nicht eingeführt!

Das wesentliche Element des Systems ist die Spezialkamera Pipeinspector.



Folgende Funktionen sind im Pipeinspector integriert:
  1. Filmaufnahme
  2. Hochsensibles Mikrofon (Geräuschsensor)
  3. Radar – und Beschleunigungsmessung
  4. Druck- und Temperaturmessung
  5. Aufzeichnung der Daten

Die Kamera arbeitet kabellos. Das System ist ab DN 100 mm einsetzbar. Die erhobenen Daten werden in der Kamera aufgezeichnet und im Büro ausgelesen. Die Kamera wird im klaren Wasser im Zuge des Molchens durch die Druckleitung gezogen. Sie ist dabei an einem ca. 10 m langen Stahlseil mit dem Molch verbunden. Die Funktionen ermöglichen durch Erfassung der Geräusche, welche bei der Ex-Filtration auftreten, die Ortung und Quantifizierung von undichten Stellen im Drucksystem. Dabei kann die genaue Lage über Koordinaten und Stationierung erfasst werden.

Von einer klassischen Dichtheitsprüfung war abzuraten da der erforderliche Druck massive Schäden an der Leitung, hier insbesondere an der AZ-Leitung, verursachen kann. Bezüglich der Lebensdauer von AZ-Leitungen besteht ein gravierender Einfluss in der Unterscheidung „trocken“ oder „Grundwasser“. Liegen die Rohre trocken sind hohe Nutzungsdauern möglich, liegen sie im Grundwasser saugt sich der Werkstoff voll, die Leitungen werden undicht. Zudem wird auch eine chemische Reaktion in den Dichtungen beobachtet.

Die ideale Geschwindigkeit für den Molch beträgt 0,2 m/sec. Für 2,3 km werden dann ca. 190 min Zeit benötigt.



Die Arbeiten wurden im Mai 2016 in 5 Schritten ausgeführt:
  1. Ortung der Druckleitung. Einzug eines Stahlseiles über eine Einzugshilfe („Fallschirm“) und Wasserdruck. Aufbringen eines Signales auf das Seil und Ortung mittels Suchgerät und Markierung im Gelände. Vermessungstechnische Aufnahme durch die Fassnacht Ingenieure GmbH.
  2. Reinigung der Leitung mittels eines Luft-Wasser-Gemisches. Luftzufuhr ( ideal hier 7000 L/min) über einen Kompressor. Durch die so erzeugten Kavitationen wird der Reinigungseffekt deutlich verbessert.
  3. Molchen der Druckleitung. Zunächst mittels sehr weichem Erkundungsmolch. Erreicht dieser unzerstört den Zielschacht erfolgt das Molchen mittels eines speziell gewickelten Molches mit harten und weicheren Passagen.
  4. Spülung mit Klarwasser.
  5. Filmaufnahme der Druckleitung, Leckageortung und Stationierung. Transportiert wird die Kamera durch einen Molch und Wasserdruck. Dies bietet Sicherheit im Falle von Luftpolstern. Um den benötigten Gegendruck für die Leckageortung zu erzeugen wird am Zielschacht ein Flansch mit Hahn aufgesetzt.
  6. Nachverdichtung der Lagemessung mittels eines im Molch eingesetzten Frequenzgebers.

Resultat der Inspektion war eine lückenlose Verfilmung der Leitung auf deren gesamter Länge.

Undichte Stellen wurden erkannt und sind in der Lage bekannt. Der Verlauf der Leitung im Gelände wurde geortet und vermessungstechnisch erfasst.